Hinter dem Haus der Traum

Ist in mir ein hügeliger Boden, ist in mir weich welliges Grün, in das meine Füsse sinken, und der Wind streichelt Bambusblätter, die ganz in die Sonne verliebt sind –

sind Wasser zu finden im Schatten, und dunkle Stellen und Moos – ist so ein Ort in mir, wo der Lärm still steht, wo das Brausen aufgehört hat und Ruhe sich Raum nimmt –

oder ist er zerstellt von Betonklötzen und von Mauern bedrängt. Haben sich Asphaltstrassen breitgemacht und, was an Grünem wachsen wollte, planiert?

Liegen angefangene Sätze unter dem Teer.

Aber ein Winkel des Gartens ist frei, von den Städteplanern vergessen, übersehen für unbestimmte Zeit, durch die Raster ihrer Zerteilwut gefallen und hat im Fallen die Flügel geöffnet und breitet sich hinter meinem Haus aus. Bambus und spielende Blättchen. Wartende Bäume, die noch träumen. Ein Tümpel, der sein Eigenleben führt und nichts muss. Mauerränder um Beete, die aufgeräumt werden könnten, die aber auch gern so bleiben, so überwachsen. Jetzt haben sie Krokusse hervorgebracht und die Mauern bewachen sie staunend. Im Sommer dann wird es anderes sein. Wenn dann mein Garten noch lebt. Aber jetzt ist er da. Ich höre ihn atmen hinterm Haus. Ein Abstand, wenige Meter, der Stille voll. Ein Puffer zwischen meinem Haus und dem Baustellengeratter am Nachbarshaus. Die Stille des Gartens bleibt, die Büsche sind unbeeindruckt und von ihrem eigenen Wiegen erfüllt.

Ist in meinem Garten ein Kind, auf dessen Haar sich die Sonne ausruht. Lehnt sich an einen Bambusstamm, blickt ins Blätterspiel und ist glücklich.

Oder irrt mir ein Kind auf den Strassen umher und rennt blindlings gegen Wände, steht alles im Weg, es stösst sich an Kanten und die Füsse schlagen hart auf. Die Füsse haben Weichheit unterm Asphalt gesucht und verzweifeln.

Kommt das Kind wieder heim – ich will es einladen, zu kommen, und es an meinen Garten erinnern, der da ist: Sollen die schreienden Ecken dich nicht mehr ängstigen, sollen die Wände dich nicht bedrücken. Komm rein in den Garten, setz dich, lehne dich an. Träum dir den Garten grösser, träum dir die Schmetterlingsflügel zu grossen ausladenden Lappen, die Raum nehmen und aufgehen, Schmetterlingslappen, Schmetterlingslippen, Riesenlippenblüten, unaufhaltsam aufgegangen – – der wahr werdende Traum deines Gartens, dein wahr werdender Traum, mitten in der Stadt.