Zwischen Körpern

Heute habe ich irgendwo die Frage gelesen: Womit fühlst du dich am meisten verbunden?
Womit fühle ich mich am meisten verbunden – mit meinem Körper? Anderen Menschen? Aber irgendwie nicht.

Zwischen Menschen steht immer so viel. Zwischen den Körpern, die sich so einfach begegnen könnten, steht so viel, stehen Worte, Möglichkeiten, Konventionen, Fragen stehen da und Stereotypen, es ist, als hätten sich Schichten von Gedanken um unsere Körper gebildet und diese Gedanken – sind es meine, die sich um deinen Körper legen, meine Gedanken über dich, um dich, die Bilder, die ich mir mache von dir –, sie hüllen dich ein, wie dichte Fäden. Wir laufen herum als Knäuel, eingebunden in Gedanken und Bilder anderer. Oder auch: eingebunden in unsere eigenen Gedanken über uns selber. In die eigenen Gedankenfäden eingesponnen.

Und so versuchen wir dann, uns zu begegnen, aber da ist so viel dazwischen, das überbrückt werden muss, oft verfädeln wir uns, verwirren uns in den Fäden, die da aufeinandertreffen, deine auf meine, dein Gewühl auf mein Gewühl. Und schon sind die Fäden nicht mehr auseinanderzuhalten, welche Bilder gehören zu wem nun, kommen von wem, was meint jetzt was – ich frage mich: wie ich dir schlicht begegnen könnte, still begegnen könnte.

Ich müsste vieles loslassen. Ich müsste fast aufhören zu denken. Ich müsste mir sicher sein. Nicht mir sicher sein über dich, noch über irgendwas anderes auf der Welt. Aber sicher in mir. Ich müsste nicht ständig über mich nachdenken, mich reflektieren. Nicht, dass Reflektieren etwas Schlechtes ist. Nur, wenn das Reflektieren im Augenblick einer Begegnung geschieht – Ich sage Hallo!, und wie geht’s?, aber spiegele mich dabei selbst. Ich bin mein eigenes inneres Spiegelkabinett. Da wird mein Gesagtes, meine Bewegungen dazu, mein Aussehen, wie ich in diesem Moment wohl wirke, alles, alles aufgebrochen und tausendfach gespiegelt. Und über die Glasscherben meines Selbstgefühls beugt sich prüfend mein Blick und bewertet.

Aber wie könnte ich dir schlicht begegnen?

Ich müsste in meinem Körper sein, nicht im Spiegelkabinett. Ich müsste meinem Atem hinunter folgen in meine Lungen und der Bewegung, die dieser Atem ausgelöst hat, in den Bauch, ins Becken, da müsste ich sein, auf meinem Beckenboden, elastisch aufgefangen. Und vielleicht – diese Verwurzelung scheint jetzt noch unmöglich, unerreichbar –, irgendwann könnte ich der Bewegung meines Atems bis in die Füsse folgen, mit meinen Fusssohlen den Boden fühlen, wippen vielleicht leicht, während ich dir begegne. Und die Begegnung würde durch mich hindurchfliessen, und ich würde ihr nicht im Weg stehen.