Wenn Echo* beginnt, sich aus dem Gefecht zu ziehen.
Echo, die Klangschale, Echo, der Mund, in den der Lärm einfällt, Echo, das Gefäss mit kupferner Innenwand, den Anschlägen aufgesperrt.
Echo, überrannter Resonanzraum. Echo, bis in die innerste Wölbung besetzter Mundraum.
Das Schreien, das in sie eindringt. Schlagende Zeilen und Selbstsicherheit, für Zweifel zu laut: Sie nehmen sich ihren Mundraum mit Gewalt, nehmen ihn als Trichter, um noch lauter zu sein. Die Stimme ist ihr entrissen, von Worten benutzt, die nicht ihre eigenen sind. Sie gibt äusseres Schrecknis tausendfach wieder, plärrt nach, was sich ihrer bemächtigt.
Wenn Echo beginnt, sich aus dem Gefecht zu ziehen; wenn Echo ihren Mund wegdreht vom Lärm. Wenn sie ihren Oberkörper wegdreht, dann ihre ganze Gestalt:
Echo beginnt, sich zu retten.
Der Kiefer hängt ihr ausgerenkt in den Gelenken. Aber jetzt ist er leer. Letzte Fetzen der fremden Worte ziehen noch aus ihrem Mund. Sie spuckt. Sie bewegt den Kiefer wieder, dass es knackt. Sie spuckt aus, was nicht ihres ist. Sie hustet und spuckt. Raus, raus. Wie lange sie braucht, auf dem Boden kniend – und es kann irgendein Nachmittag sein in der Stadt, wo du wohnst, oder im Stadtwald, wo du jeden Tag hingehst – wie lange sie braucht, weiss ich nicht. Halte ihr die Stirn.
Irgendwann hört sie mit Würgen und Husten auf.
Dann will sie erst einmal still sein.
Will zuschauen, wie jetzt nur Blüten baumeln, Blüten von Haselsträuchern.
Will diesem Baumeln zuschauen und still sein.
Und sie atmet einen Traum und flösst Traum ihrer schlafenden Stimme ein.
Noch weiss niemand, wie sie selber tönt.
*In der griechischen Mythologie ist Echo eine Nymphe, der die Fähigkeit genommen wurde, selber zu sprechen. Danach konnte sie nur noch das von anderen Gesagte wiederholen.