Innenraumschiffchen

In sich hineinhorchen. Sagt man so. Wie geht das denn?

Das Ausatmen in die Schale eines Ohres sinken lassen

und sie mir an die Stelle im Körper legen,

die mein Lauschen braucht.

Dass das Lauschen dann eine Delle öffnete in den verklebten Muskelfasern,

dass eine Lufthöhle sich auftäte in der Dichte

mit dehnbaren durchsichtigen Wänden.

Mich absenken in den geöffneten Raum,

mich absenken in einem U-Boot,

einem Innenraumschiffchen,

langsam,

denn hier verlaufen Stränge von Wut und gestocktem Erschrecken,

dicht über dicht

an die Knochen geschichtet.

Das Gewölbe von innen anschauen,

in meinem Bötchen sitzend,

dann erst aussteigen.

Der Boden aus Fleisch und Fasern ist zäh und trägt mich,

und ich lege eine Hand wie auf ein Raubtier

auf einen Muskelstrang,

und fühle den Puls,

die Kraft und Gespanntheit –

Sie haben sich, die Tier- und Muskelwesen,

um mein Herz gelegt,

zusammengezogen im Schock

zu einem Kreis der Abwehr.

Aber da, unter meinen Händen,

da höre ich,

wie laut die Trauer durch euch rauscht.

Ihr seid der Ring geworden für ihr Rasen,

und da rast sie durch euch, um und um,

und ihr verharrt und könnt euch nicht aus eurer Starre lösen.

Ich will mich an eure Flanken lehnen,

an das gespannte Fleisch,

da lehne ich

und möchte euch mit meinem Druck beruhigen,

mit Gutzureden und mit Murmeln

die wildgewordene Trauer zu mir locken,

dass sie aus ihrem Kreisen ausbricht

und mir an die Hand kommt, zaghaft,

bis sie vertraut,

dass ich da bin als Schale

und endlich

zu tausend Tropfen

zerschmilzt