Ins Wasser

Sie legt sich ins Wasser.

Wellen, ineinander übergehend, auseinander kommend, ein und aus, übereinander spielend, sich untereinander verschluckend – türkisfarben, goldene Ränder, blätterförmig, dann: Stromschnellen, ein glitzerndes Schuppenkleid im Waldbach, ein Auge: Wasserschlange oder Fisch, längst wieder weggeflitzt, oder beides, alles, Wasserleben, Wasserwesen.

Sie liegt im Wasser und Wasser umspielt sie. Sie liegt und Sonne blitzt durchs Walddach, goldene Sternchen hinter Blättern, sie fallen herunter, blitzen im Wasser auf. Sie hat eine Welt gefunden hier, mit offenen Händen liegt sie und lauscht dem Perlen und Murmeln, und es perlt und murmelt vielstimmig in ihr, durch sie hindurch. Sie hat eine Welt gefunden hier, der sie lauschen will. Waldmurmeln und Wasserperlen sagen ihr mehr als Wortbrocken aus trockenen Mündern, mit denen Menschen sich zu verständigen suchen mit Hälsen zugeknöpft, und die nur als Zerbröselung auftreffen im Ohr des Gegenübers.

Sie hat ihren Kragen längst geöffnet, das Kleid aufgerissen bis zum Bauch. Sie lässt sich tragen von den Wellen und bemerkt, dass die Wellen auch ihre Stimme tragen, dass ihre Stimme sich nicht mehr in ihr zurückhält, sondern sich ausgiesst, sich auf die Wellen legt und sich tragen lässt in die Waldluft hinein, wo sie über Blätter streichelt und einen Vogel umhüllt, wo sie eingeht in ein grosses Ohr.

Hier liegt sie. Ophelia.

Glitzern über ihr.